Autor Thema: Könnt Ihr mir helfen?  (Gelesen 6553 mal)

Axel

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Könnt Ihr mir helfen?
« am: Mai 07, 2005, 22:56:12 nachm. »
Hallo!

Mich würde mal interessieren, was Ihr von dem folgenden Zwischenzeugnis haltet, da ich bei einem Vorstellungsgespräch die Erfahrung gemacht habe, dass mein Verhalten mit 1 benotet wurde und die Leistung mit 2. Jedoch meinte der Personalchef, bei dessen Firma ich mich beworben habe, dass der zweite Absatz nur mit 3 bewertet wurde und wollte diesbezüglich mein Argumentation hören. Er spielte auf das "recht gut" an. Wäre super, wenn ich eine kompetente Antwort hören könnte hinsichtlich des Absatzes mit "recht gut", wie auch zu meinem kompletten Zwischenzeugnisses:

Herr X, geboren am 00.00.00 in X, ist seit dem 00.00.94 zuerst als Auszubildender und nach bestandener Prüfung als Sachbearbeiter im Vertrieb tätig.

Herr X ist seit Januar 2003 als Sachbearbeiter im Bereich Vertrieb-Export für den internationalen Vertrieb tätig. Der Vertriebsschwerpunkt liegt in den Ländern Amerika, England, Spanien und Italien. Die Kommunikation und Korrepondenz erfolgt in englischer Sprache.

Sein Aufgabengebiet umfaßt folgende Tätigkeiten:

- selbständige Erledigung der täglichen kaufmännischen Aufgaben
- Kundenbetreuung, Schriftwechsel und telefonische Kundenberatung sowie Kundenakquisition
- Auftragsannahme, Erfassung und komplette Abwicklung über EDV, Preiskalkulation über Excel (AS400, Microsoft Office, Windows 2000, Auto Sketch)
- Versandkoordination der Aufträge
- Betreuung von Unternehmensangelegenheiten wie z. B: OP-Klärung, Reklamationsbearbeitung, Gutschrifterstellung etc.
- Einweisung von Auszubildenden
- Unterstützung der Abteilungsleitung

Herr X zeigt in jeder Hinsicht ein hervorragendes und fundiertes Fachwissen, das er bei schwierigen Aufgaben sehr sicher einsetzt. Er arbeitet stets sicher, selbständig und mit äußerster Sorgfalt und größter Genauigkeit.

Herr X hat sich in neuen Problemstellungen rasch zurechtgefunden und meistert neue Aufgaben recht gut. Er ist jederzeit ideenreich, gibt wertvolle Anregungen, handelt selbständig und ergreift Initiative.

Herr X zeigt in jeder Hinsicht ein sicheres Auftreten und besitzt Selbstvertrauen. Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen ist stets einwandfrei. Herr X hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.

Das Zwischenzeugnis wurde auf Wunsch von Herrn X erstellt. Wir hoffen auf noch eine lange und weiterhin gedeihliche Zusammenarbeit.

Wäre super, wenn ich eine Antwort bekäme.

Gruss

Axel

arbeitszeugnis.de

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Könnt Ihr mir helfen?
« Antwort #1 am: Mai 08, 2005, 16:39:52 nachm. »
Zunächst einmal stellt sich die Frage, ob über das Ausbildungsverhältnis denn kein eigenes AZUBI-Zeugnis ausgestellt wurde. Dies ist üblich, daher sollte auch auf das AZUBI-Zeugnis hingewiesen werden ("Über den Auszubildungszeitraum gibt das Zeugnis vom DATUM Auskunft").

Die Stellenbeschreibung erweckt nicht den Eindruck großer Eigenverantwortung: "selbständige Erledigung der täglichen kaufmännischen Aufgaben" (=Routine), "Einweisung von Auszubildenden" (nebensächlich) und "Unterstützung der Abteilungsleitung" (wobei denn?!).

Die von Ihnen zitierten Aussagen beziehen sich auf:

Bereitschaft:
handelt selbständig und ergreift Initiative  (Note 3-4, Motivation/ Engagement wird nicht erwähnt)

Befähigung:
Herr X hat sich in neuen Problemstellungen rasch zurechtgefunden und meistert neue Aufgaben recht gut. Er ist jederzeit ideenreich, gibt wertvolle Anregungen (Note 4: "recht gut"= eher nicht gut)

Fachwissen:
Herr X zeigt in jeder Hinsicht ein hervorragendes und fundiertes Fachwissen, das er bei schwierigen Aufgaben sehr sicher einsetzt.  (Note 1)

Arbeitsweise:
Er arbeitet stets sicher, selbständig und mit äußerster Sorgfalt und größter Genauigkeit. (Note 1, aber Effizienz/ Zielstrebigkeit wird nicht erwähnt)

Leistungszusammenfassung:  
Herr X hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt. (Note 2)

Verhalten:
Herr X zeigt in jeder Hinsicht ein sicheres Auftreten und besitzt Selbstvertrauen. Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen ist stets einwandfrei. (Note 1)

Schlussteil:
Das Zwischenzeugnis wurde auf Wunsch von Herrn X erstellt. Wir hoffen auf noch eine lange und weiterhin gedeihliche Zusammenarbeit.
(Note 3)

Einen Überblick über die Struktur eines vollständigen Zeugnisses finden Sie hier: http://www.arbeitszeugnis.de/images/Zeugnisstruktur.pdf.

Die Leistungszusamenfassung verweist auf die Gesamtnote 2 ("gut"). Die Einzelnoten in den oben genannten Abschnitten reichen von "sehr gut" (Fachwissen) bis "ausreichend" (Befähigung). Denn in der zu positiver Ausdrucksweise verpflichteten Zeugnissprache bedeuten relativierende Adverbien (in der Regel, ziemlich, recht, größtenteils, weitgehend usw.) eine starke Abwertung.  Kaum berücksichtigt sind dynamische Attribute (engagiert, motiviert, effektiv), auch auf den (Beitrag zum) Vertriebserfolg wird nicht eingegangen. Ebenso fehlt ein Dank für die bisherigen Leistungen.

Zusammenfassend entsteht also der Eindruck eines sehr kompetenten Mitarbeiters, der Routineaufgaben absolut sicher beherrscht, mit neuen Aufgaben jedoch weniger gut zurechtkommt - möglichwrweise weil ihm die Motivation fehlt, sich auf Neues einzustellen.
Klaus Schiller, arbeitszeugnis.de

gast

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Könnt Ihr mir helfen?
« Antwort #2 am: Mai 08, 2005, 18:08:35 nachm. »
Hallo nochmals,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Sie schreiben, dass die Einzelnoten von sehr gut bis ausreichend bewertet wurden. Könnten Sie mir die Einzelnoten auch für folgende Punkte nennen:

- Arbeitsweise
- Verhalten (ich denke das müsste 1 sein)
- Schlussteil (gibt es da eine Benotung?)

Muss der Arbeitgeber sich bedanken für die bisherigen Leistungen, da es sich um ein Zwischenzeugnis handelt?

Wie könnte man die Beurteilung zu meiner Befähigung umschreiben (also ohne das "recht" gut), damit ich evtl. auf eine 2 komme?

Des Weiteren schreiben Sie: "... der Eindruck eines sehr kompetenten Mitarbeiters, der Routineaufgaben absolut sicher beherrscht, mit neuen Aufgaben jedoch weniger gut zurechtkommt" Kommen Sie zu dieser Erkenntnis alleine durch die Beurteilung meiner "Befähigung" oder setzt sich diese evtl. noch durch weitere Aussagen zusammen?

Ich weiß, Fragen über Fragen, wäre super, wenn Sie mir helfen könnten.

Danke nochmals

arbeitszeugnis.de

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Könnt Ihr mir helfen?
« Antwort #3 am: Mai 09, 2005, 10:16:49 vorm. »
Die Noten habe ich ergänzt (siehe oben).

Muss der Arbeitgeber sich bedanken für die bisherigen Leistungen, da es sich um ein Zwischenzeugnis handelt?
Ein glaubwürdiges, gutes Zwischenzeugnis sollte einen Dank enthalten.

Wie könnte man die Beurteilung zu meiner Befähigung umschreiben (also ohne das "recht" gut), damit ich evtl. auf eine 2 komme? Das relativierende "recht" sollte entfernt werden, zudem gäbe es sicher weitere Fähigkeitsaspekte, die erwähnt werden könnten (z.B. hinsichtlich Analyse des Marktes, Urteilsfähigkeit, Belastbarkeit, Flexibilität... ). Viele geeignete Formulierungen finden Sie in der Datenbank (http://www.arbeitszeugnis.de/neuesuche/demo.php).

Des Weiteren schreiben Sie: "... der Eindruck eines sehr kompetenten Mitarbeiters, der Routineaufgaben absolut sicher beherrscht, mit neuen Aufgaben jedoch weniger gut zurechtkommt" Kommen Sie zu dieser Erkenntnis alleine durch die Beurteilung meiner "Befähigung" oder setzt sich diese evtl. noch durch weitere Aussagen zusammen?
Dieser Eindruck entsteht aus allen oben kritisierten Aussagen zusammen, inklusive Stellenenschreibung.
Klaus Schiller, arbeitszeugnis.de

Axel

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Könnt Ihr mir helfen?
« Antwort #4 am: Mai 11, 2005, 23:58:17 nachm. »
Hallo Herr Schiller,

mein Zwischenzeugnis wurde geändert. Mein Arbeitgeber hat nach erfolgreichem Drängen folgende Sätze eingesetzt. Ist dies mit gut zu beurteilen?

Befähigung und Bereitschaft:
Herr X ist sehr motiviert und auch stärksten Belastungen jederzeit gewachsen. Er ist in seinem Handeln stets sehr entschlossen und entwickelt große Eigeninitiative.

Schlusssatz:
Dem Wunsch nach einem Zwischenzeugnis sind wir gerne nachgekommen. Wir hoffen auf eine weiterhin gut Zusammenarbeit und bedanken uns für die stets guten Leistungen.

Würde mich auf eine Antwort freuen

Gruss

Axel

arbeitszeugnis.de

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Könnt Ihr mir helfen?
« Antwort #5 am: Mai 12, 2005, 17:01:45 nachm. »
Der Eindruck von Unmotiviertheit entsteht nun nicht mehr, die anderen Kritikpunkte bleiben aber bestehen.

Scheinbar wurden die Aussage Herr X hat sich in neuen Problemstellungen rasch zurechtgefunden und meistert neue Aufgaben recht gut. Er ist jederzeit ideenreich, gibt wertvolle Anregungen komplett gestrichen?!  Der Nachteil wäre, dass dann auch Aussagen zur Auffassungsgabe und zur Problemlösungsfähigkeit fehlen.  

Wir bedanken uns für die stets guten Leistungen.
Die Aussage „wir bedanken uns“  (statt „wird danken ihm“) wird in der Zeugnissprache generell eher abwertend verstanden. Diese Formulierung ist reflexiv („sich bedanken“) und beschreibt keine Interaktion. Anders verhält es sich bei der Aussage „wir danken ihm“, in der dem Gegenüber aktiv Dank entgegengebracht wird.

Klaus Schiller, arbeitszeugnis.de

Axel

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Könnt Ihr mir helfen?
« Antwort #6 am: Mai 16, 2005, 22:51:54 nachm. »
Hallo Herr Schiller,

ich hoffe nicht, dass ich allzusehr nerve. Aber mir brennen noch zwei Fragen unter den Nägeln:

Wäre der Bereich "Befähigung" und "Bereitschaft" nun besser abgedeckt, oder wirkt es schon negativ, da 3 Sätze diesen Bereich umfassen?

Herr X führt alle Aufgaben (stets) mit großer Umsicht und ernormem Engagement aus. Er ist sehr motiviert und auch stärksten Belastungen jederzeit gewachsen. Herr X ist in seinem Handeln stets sehr entschlossen und entwickelt große Eigeninitiative.

Schlusssatz:
Dem Wunsch nach einem Zwischenzeugnis sind wir gerne nachgekommen. Wir danken ihm für die stets guten Leistungen und hoffen auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit.

Vielen Dank im Voraus für Ihr Bemühen

Axel

arbeitszeugnis.de

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Könnt Ihr mir helfen?
« Antwort #7 am: Mai 17, 2005, 18:27:37 nachm. »
Zunächst einmal sind "Bereitschaft" und "Befähigung" zwei verschiedene Abschnitte, nicht ein gemeinsamer. Die von Ihnen zitierten Sätze vermischen Aussagen zur Bereitschaft, zur Befähigung und zur Arbeitsweise ("Umsicht"), was etwas ungeordnet wirkt .

Die Aussagen zur Bereitschaft wirken in der Summe leicht übertrieben. Die Aussagen zur Befähigung beziehen sich nur auf die Belastbarkeit. Hier wären Angaben zu erwarten, die auch auf das Qualifikationsprofil eines Vertriebsachbearbeiters abgestimmt sind.
Klaus Schiller, arbeitszeugnis.de


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